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Gesundheit / 3 Min. Lesezeit

Wie aussagekräftig ist eine Patella-Untersuchung?

Ein Ratgeber zur Kniescheibenuntersuchung beim Pudel: Methode, Grade, Aussagekraft und Grenzen der orthopädischen Befundung.

Redaktioneller Entwurf · Stand: 12. Oktober 2026

Was ist eine Patellaluxation und wie wird sie untersucht?

Die Patellaluxation bezeichnet das Ausrenken der Kniescheibe aus ihrer Führungsschiene, der sogenannten Rollrinne. Bei der Untersuchung handelt es sich nicht um einen Gentest, sondern um eine gezielte orthopädische Palpation.

Der Tierarzt prüft die genaue Lage und Stabilität der Kniescheibe in Relation zur Rollrinne sowohl in Ruhe als auch in der Bewegung. Es geht dabei ausdrücklich nicht nur um das Auslösen von Druckschmerz, sondern um die mechanische Stabilität des Gelenks. du solltest Befunde stets für beide Knie einzeln abfragen, versehen mit Datum, Alter des Hundes und überprüfter Mikrochipnummer.

Warum wird die Untersuchung kritisiert, ohne jedoch wertlos zu sein?

Die Aussage, die Patellaluxationsuntersuchung sei wertlos, ist sachlich nicht haltbar. Eine berechtigte Kritik weist jedoch darauf hin, dass es sich um einen klinischen Momentanbefund handelt.

Das Alter des Hundes zum Untersuchungszeitpunkt, die Erfahrung des Untersuchers, die Muskelanspannung während der Prüfung sowie die spätere körperliche Entwicklung beeinflussen das Ergebnis. Zudem liegt eine komplexe erbliche Komponente zugrunde: Gesunde Kniegelenke der Eltern garantieren nicht automatisch, dass alle Welpen zeitlebens frei von Luxationen bleiben. Dennoch bietet die fachgerechte Palpation eine wichtige Orientierung.

Wie werden die Grade 0 bis 4 bei der Befundung eingeteilt?

Die orthopädische Einstufung der Kniescheibenstabilität erfolgt in fünf Stufen:

  • Grad 0: Normalbefund; die Kniescheibe lässt sich nicht luxieren.
  • Grad 1: Die Kniescheibe kann manuell luxiert werden, gleitet aber bei Nachlassen des Drucks spontan in die Rollrinne zurück.
  • Grad 2: Die Kniescheibe luxiert spontan oder manuell und verbleibt in dieser Lage, bis sie zurückgeschoben wird oder das Gelenk bewegt wird.
  • Grad 3: Die Kniescheibe ist dauerhaft luxiert, lässt sich jedoch manuell in die Rollrinne zurückschieben.
  • Grad 4: Die Kniescheibe ist dauerhaft verlagert und kann nicht mehr manuell zurückgeschoben werden.

Als Hundehalter solltest du keinesfalls versuchen, die Kniescheibe deines Hundes selbst zu palpieren oder zu verschieben.

Welche Regeln gelten bei internationalen Systemen wie dem OFA-Zertifikat?

In internationalen Bewertungssystemen gelten oft spezifische Regeln. Im System der OFA (Orthopedic Foundation for Animals) wird ein offizielles Zertifikat mit dem Status "Normal" erst ab einem Alter von 12 Monaten ausgestellt. Hierbei handelt es sich explizit um eine OFA-Bestimmung und nicht um ein allgemeines deutsches Gesetz.

Die OFA empfiehlt zudem periodische Neubewertungen des Kniezustands im Laufe des Hundelebens. Welche konkreten Untersuchungen gefordert sind, hängt vom jeweiligen Zuchtverein ab.

Warum reichen ein beschwerdefreies Gehen und der Anblick der Eltern nicht aus?

Fehlender Schmerz oder ein normales Gangbild bei einem kurzen Besuch schließen eine Luxation nicht aus. Nach Angaben der OFA zeigen viele betroffene Hunde bei der Abtastuntersuchung kaum Irritationserscheinungen. Das ACVS weist darauf hin, dass betroffene Tiere oft nur zeitweise hüpfen oder ein Hinterbein kurz hochziehen, während manche Hunde phasenweise völlig ohne Symptome laufen.

Ein Augenschein der Eltern ist eine nützliche Ergänzung, ersetzt aber keine Fachuntersuchung. Ein ausgewogenes Vorgehen kombiniert das Einsehen der elterlichen Befunde, die Prüfung der offiziellen Testdokumente und eine klinische Erstuntersuchung des Welpen beim Tierarzt.

Quellen & Einordnung

Sachstand und Quellen geprüft am 12. Oktober 2026. Redaktioneller Entwurf; keine individuelle Beurteilung eines Hundes.