Redaktionelle Vorschau · Inhalte in Vorbereitung

Erwachsenwerden & Alter / 6 Min. Lesezeit

Erwachsenwerden: vom Welpen zum erwachsenen Hund

Was in der Pubertät mit Ihrem Hund passiert, wann die erste Läufigkeit kommt, warum der Rüde anfängt zu markieren und was Tierärzte und das Gesetz zur Kastration sagen.

Redaktioneller Entwurf · Stand: 13. Oktober 2026

Kurz gesagt

  • Die Pubertät beginnt beim Hund mit etwa 8–12 Monaten. In dieser Zeit hört er schlechter auf Sie.
  • Die erste Läufigkeit kommt bei den meisten Hündinnen mit etwa sechs Monaten, bei kleinen Rassen oft früher. Sie dauert zwei bis vier Wochen.
  • Wenn ein Rüde markiert, teilt er etwas mit – er hat nicht vergessen, wo er sich lösen soll. Strafen bringt nichts.
  • Wir selbst sind gegen Sterilisation und Kastration.
  • In Deutschland ist die Kastration kein Routineeingriff, den man „einfach so“ machen lässt: Das Gesetz erlaubt sie nur unter bestimmten Bedingungen, und die tierärztlichen Verbände bewerten Nutzen und Schaden unterschiedlich.

Die Pubertät

Nach Angaben der PDSA beginnt die Pubertät mit etwa 8–12 Monaten, bei kleinen Rassen früher als bei großen. Sozial reif sind die meisten Hunde mit etwa drei Jahren.

Was Ihnen auffallen wird:

  • Der Hund befolgt Ihre Kommandos schlechter.
  • Rüden markieren häufiger, reiten bei anderen Hunden auf und versuchen auszubüxen.
  • Der Hund fängt an, Dinge oder Plätze zu bewachen oder etwas anzubellen, das ihn früher nicht interessiert hat.

Zwei Fehler liegen hier nahe: mit dem Üben aufhören oder anfangen zu strafen. Die PDSA rät, weiter über Belohnung zu üben und Geduld zu haben. Strafe schadet dem Hund und macht das Problem schlimmer. Ist das Problem ernst, schieben Sie es nicht auf: Gehen Sie zum Tierarzt und zu einem Verhaltensfachmann.

Die erste Läufigkeit

Unsere Erfahrung. Bei unseren Hündinnen kommt die erste Läufigkeit ab sechs Monaten und dauert 21 Tage. Etwas Besonderes tun wir in dieser Zeit nicht – wir lassen die Hündin nur nicht zum Rüden, wenn wir keine Welpen planen. Decken lassen darf man eine Hündin frühestens mit anderthalb Jahren.

Wann. VCA und PDSA nennen als Durchschnittsalter etwa sechs Monate und ergänzen, dass kleine Rassen früher dran sind als große. Die Cornell-Universität steckt den Rahmen weiter: von 6 bis 24 Monaten. Bei einem kleinen Pudel kann die Läufigkeit also auch schon vor dem halben Jahr anfangen.

Wie oft. Meistens zweimal im Jahr. Bei Cornell ist von einem Abstand von fünf bis elf Monaten die Rede. VCA schreibt, dass es bei kleinen Rassen auch dreimal im Jahr vorkommt.

Wie lange. Hier rechnen die Quellen unterschiedlich. Die PDSA schreibt von zwei bis vier Wochen, von denen die Hündin eine Woche bis zehn Tage blutet. Bei Cornell heißt es, dass der Ausfluss meistens 14–21 Tage anhält. VCA nennt etwa neun Tage, meint damit aber nur die Standhitze selbst – die Zeit, in der die Hündin Rüden an sich heranlässt. Rechnen Sie zu Hause mit der längeren Zeit.

Anzeichen. Zuerst schwillt die Scham an. Dann kommt blutiger Ausfluss: bei manchen Hündinnen stark, bei anderen kaum zu sehen. Die Hündin leckt sich öfter und pinkelt öfter, sie kann auch markieren. Auch das Verhalten ändert sich: Sie ist zu anderen Hunden übertrieben freundlich, unruhig, will weglaufen, und wenn man sie berührt, dreht sie die Rute zur Seite.

Wann sie trächtig werden kann. Trächtig werden kann eine Hündin jederzeit während der Standhitze, und zwar schon in der ersten Läufigkeit. Am wahrscheinlichsten ist es dann, wenn der Ausfluss heller und wässrig wird.

Läufigkeit im Alltag

  • Nur an der Leine. Gehen Sie nur an der Leine spazieren, mit Abstand zu anderen Hunden und zu ruhigen Zeiten.
  • Lassen Sie sie nicht allein im Garten oder im Hof.
  • Getrennt von unkastrierten Rüden, auch von denen, die bei Ihnen wohnen.
  • Sauberkeit. Lassen Sie sie nicht überall auf Teppiche, Sofas und ins Bett und legen Sie Handtücher aus. Es gibt auch spezielle Läufigkeitshöschen.

Nach der Läufigkeit kommt es bei Hündinnen zu einer Scheinträchtigkeit: Das Gesäuge schwillt an, die Hündin „baut ein Nest“, die Stimmung ändert sich. Die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) in Deutschland nennt das einen physiologischen Vorgang. Wenn das immer wieder vorkommt und die Hündin darunter leidet, sprechen Sie mit dem Tierarzt.

Markieren beim Rüden

Mit der Geschlechtsreife fängt der Rüde an zu markieren: Er setzt ein paar Tropfen Urin dort ab, wo er einen fremden Geruch gefunden hat. So teilt er sich mit. Von einer normalen Pfütze unterscheidet sich eine Markierung dadurch, dass es nur ganz wenig Urin ist.

Draußen ist das normal, und ganz abgewöhnen lässt es sich schwer. Wenn der Rüde in der Wohnung markiert:

  • Behalten Sie ihn im Auge: Langes Schnüffeln ist ein Signal. Lenken Sie ihn mit fröhlicher Stimme oder einem Spielzeug ab und gehen Sie mit ihm raus.
  • An neuen Orten und zu Besuch bleibt er an der Leine.
  • Schimpfen Sie nicht und erschrecken Sie ihn nicht: Angst verstärkt das Markieren nur.

Wenn ein Hund, der längst stubenrein war, plötzlich in die Wohnung macht, gehen Sie mit ihm zuerst zum Tierarzt. Wie man die Stubenreinheit übt, steht im Beitrag über die Stubenreinheit.

Kastration – was Gesetz und Tierärzte sagen

Bei der Kastration werden die Keimdrüsen entfernt: die Eierstöcke bei der Hündin, die Hoden beim Rüden. Im Alltag sagt man bei Hündinnen häufiger „Sterilisation“.

Unsere Position. Wir sind gegen Sterilisation und Kastration. Unten steht, was Gesetz und Tierärzte dazu sagen, damit Sie sich selbst ein Bild machen können.

Das Gesetz. In Deutschland verbietet § 6 des Tierschutzgesetzes, einem Wirbeltier Organe zu entnehmen. Die Ausnahmen stehen gleich dabei. Für Hunde zählen drei: wenn der Eingriff im Einzelfall tierärztlich angezeigt ist; wenn die unkontrollierte Fortpflanzung verhindert werden soll; und wenn er für die weitere Haltung des Tieres nötig ist, sofern der Tierarzt keine Bedenken hat.

Wie deutsche Tierärzte das auslegen. Die TVT schreibt, dass in Deutschland über eine Kastration jedes Mal einzeln entschieden wird, für jeden Hund. Angezeigt ist sie zum Beispiel bei einer Gebärmuttervereiterung oder einem Hodentumor. Dass ein Familienhund sich fortpflanzt, lässt sich nach Ansicht der TVT meistens auch ohne Operation verhindern: durch Aufsicht, die Leine und zeitweises Trennen. Eine Kastration nur zur Vorbeugung von Gesäugetumoren hält die TVT nicht für angezeigt, und eine Kastration vor der Geschlechtsreife lehnt sie ab.

Internationale Leitlinien. Der Weltverband der Kleintierärzte (WSAVA) sagt in seinen Leitlinien von 2024 ausdrücklich, dass er weder dafür noch dagegen ist. Er zählt beide Seiten auf:

  • Nutzen: Entfernte Organe können nicht mehr erkranken, und eine ungewollte Trächtigkeit gibt es nicht mehr; Hündinnen haben ein geringeres Risiko für Gesäugetumoren, wobei die WSAVA nicht dazu rät, nur deshalb zu operieren.
  • Schaden: häufiger Übergewicht; 5–20 % der Hündinnen werden mit der Zeit harninkontinent; nach früher Kastration sind Gelenkprobleme beschrieben; beschrieben ist auch ein höheres Risiko für manche Tumoren; das Verhalten kann sich ändern, etwa hin zu mehr Ängstlichkeit nach früher Kastration, und das lässt sich schwer vorhersagen.

Die WSAVA meint, dass eine gesunde Hündin unkastriert bleiben kann, wenn ihre Gesundheit überwacht wird, und dass man, wenn schon kastriert wird, besser bis nach der ersten oder zweiten Läufigkeit wartet.

Eine andere Sicht. Die amerikanische Klinikkette VCA schreibt, die Kastration der Hündin vor der ersten Läufigkeit sei der beste Weg, eine Trächtigkeit zu verhindern, und Tierärzte rieten oft dazu, sie bis zum Alter von sechs bis sieben Monaten zu machen.

Beim Verhalten sind sich die Quellen einig: Kastration ersetzt keine Erziehung. Laut VCA kann das Markieren danach seltener werden, eine Garantie gibt es aber nicht. Die TVT warnt, dass unerwünschtes Verhalten auch stärker werden kann, und rät, sich vorher von einem Tierarzt beraten zu lassen, der auf Verhalten spezialisiert ist. Bei Rüden kann man vorher ausprobieren, wie eine Kastration wirken würde: Dafür setzt man ein zeitlich begrenzt wirkendes Hormonimplantat.

Entschieden wird das zusammen mit dem eigenen Tierarzt und für den einzelnen Hund.

Wann zum Tierarzt

  • Der Ausfluss ist weiß: Das kann eine Gebärmutterentzündung bedeuten.
  • Die Scham ist so geschwollen, dass es der Hündin wehtut.
  • Die Blutung kommt Ihnen zu stark vor.
  • Es ist zu einer ungewollten Paarung gekommen – rufen Sie so schnell wie möglich an.
  • Der Rüde presst und kann nicht pinkeln – das ist ein Notfall.