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Welpenwahl & Papiere / 5 Min. Lesezeit

Welpenkauf: Checklisten und Wirklichkeit

Warum eine Abweichung von der Internet-Checkliste noch kein Betrug ist und wie Sie einen Züchter prüfen, ohne sich mit ihm zu zerstreiten.

Redaktioneller Entwurf · Stand: 12. Oktober 2026

Kurz gesagt

  • Checklisten aus dem Internet sind nützlich. Aber nicht alles, was nicht dazu passt, ist Betrug.
  • Eine abgemagerte oder eine gepflegte Mutter, ein bis zwei Welpen im Wurf, ein Impfpass statt eines Heimtierausweises – all das gibt es auch bei gewissenhaften Züchtern.
  • Zuverlässig prüfen können Sie so: den Chip der Hündin auslesen und die Nummer mit Ahnentafel und Gentests vergleichen.
  • Fragen Sie ruhig und schauen Sie, wie der Züchter reagiert. Sagen Sie ihm Ihren Verdacht ins Gesicht, ist das Gespräch damit zu Ende.

Warum die Checkliste allein nicht reicht

Deutsche Medien schreiben immer öfter über die „Hundemafia“ – organisierte kriminelle Gruppen, die Welpen aus Osteuropa schmuggeln und in Deutschland verkaufen. Meist sind diese Welpen krank: Sie wurden im Dreck geboren und haben dort ihre ersten Wochen verbracht. Solchen Artikeln hängt oft eine Checkliste an: Worauf Sie achten sollen, damit man Sie nicht betrügt.

Checklisten haben auch eine Kehrseite. Käufer werden zu misstrauisch und sagen dem Verkäufer direkt, dass sie ihn verdächtigen. Der Verkäufer bricht das Gespräch ab, und der Käufer verliert genau den Welpen, der ihm gefallen hat. Und der Welpe bleibt länger ohne Zuhause.

Seien Sie deshalb wachsam, aber zerstreiten Sie sich nicht mit dem Verkäufer.

Ein halbes Jahr Suche

Eine Bekannte hat monatelang einen Welpen gesucht. Sie hatte unzählige Checklisten gelesen und war überzeugt, dass jeder Züchter sie betrügen will. Mal kam ihr die Mutter zu gepflegt vor, mal waren nur zwei Welpen im Wurf, mal gab es keinen Heimtierausweis.

Ein halbes Jahr lang konnte sie sich nicht entscheiden. Jedes Gespräch brach ab: Entweder sprach sie ihren Verdacht sofort aus, oder sie fühlte sich selbst unsicher. Die Welpen aus diesen Würfen hatten inzwischen längst ein Zuhause gefunden.

Am Ende hat sie begriffen: Nicht alles, was nicht zur Checkliste passt, ist Betrug.

Ist das wirklich die Mutter

Alter und Aussehen

Tipp aus dem Internet. Mit 7 Wochen haben Welpen schon Milchzähne, sind aber noch sehr klein. Die Hündin ist nach Geburt und Säugen oft mager, ihre Zitzen sind ausgeleiert, das Fell ist schlechter. Sieht die „Mutter“ aus wie ein Ausstellungshund, sollte Sie das stutzig machen.

In Wirklichkeit. Nach etwa 2,5–3 Monaten ist das alles oft vorbei. Nach dem Groomer oder einer Schur zu Hause kann die Hündin aussehen, als hätte sie nie geworfen. Ein Beweis für Betrug ist das nicht.

Verhalten

Tipp aus dem Internet. Die Mutter reagiert auf die Welpen, leckt sie ab, legt sich zu ihnen, und die Kleinen drängen von selbst zu ihr. Wenn sie ihr gleichgültig sind oder sie ihnen ausweicht, sind es vielleicht nicht ihre.

In Wirklichkeit. Wenn die Welpen älter als 2,5 Monate sind, weichen Hündinnen ihnen oft aus. Das ist normal: Die Welpen wollen aus Gewohnheit saugen, und der Mutter ist das unangenehm oder tut ihr weh. Wenn sie in diesem Alter ein bisschen knurrt oder die Kleinen wegschiebt, ist das ganz üblich.

Wie viele Welpen

Tipp aus dem Internet. Werden nur ein oder zwei Welpen angeboten, fragen Sie, wo die anderen sind. Oft wird eine „Mutter“ gezeigt, und die Welpen setzt man von irgendwo anders zu ihr.

In Wirklichkeit. Manchmal kommen wirklich nur ein oder zwei Welpen zur Welt. Außerdem sind Sie oft nicht der erste Käufer, und ein Teil der Welpen ist schon abgeholt.

Papiere

Ausweis. Der EU-Heimtierausweis ist ein Dokument für Auslandsreisen. Wird ein Hund innerhalb Deutschlands verkauft, wird er oft nicht ausgestellt, unter anderem weil das Geld kostet, und die Impfungen stehen im Impfpass. So ein Heft geht leicht verloren.

Wenn Sie nicht sicher sind, ob der Welpe geimpft ist, oder die Papiere verloren gegangen sind, gehen Sie so schnell wie möglich in eine Tierarztpraxis. Dort wird der Welpe untersucht und bekommt einen Ausweis. Ob er noch einmal geimpft wird, entscheidet der Tierarzt.

Vereinsmitgliedschaft. Sie ist weder in Deutschland noch anderswo Pflicht. Gibt es aber FCI-Papiere, ist der Züchter viel wahrscheinlicher gewissenhaft. Vereinszüchter achten auf ihren Ruf: Bei Verstößen kann der Verein den Züchter für das Zuchtbuch sperren – so steht es zum Beispiel in der Zuchtordnung des ADP.

Gentests. Am besten ist es, wenn der Züchter Ausdrucke der Gentests der Eltern auf Erbkrankheiten zeigt.

Chip. Bitten Sie den Züchter, mit dem Lesegerät den Chip der Hündin auszulesen, die als Mutter gezeigt wird. Vergleichen Sie die Nummer mit Ahnentafel und Gentests. In den Vereinen wird die Chipnummer in die Ahnentafel eingetragen – das verlangt zum Beispiel die Zuchtordnung des DPK. So stellen Sie sicher, dass vor Ihnen genau die Hündin steht, die in den Papieren eingetragen ist.

Wann Sie besser nicht kaufen

  • Der Verkäufer drängt Sie zur Entscheidung, macht Druck oder ist sichtlich nervös.
  • Treffen kann man sich nur auf einem Parkplatz oder in irgendeiner Wohnung. Den Ort, an dem die Hunde wirklich leben, zeigt man Ihnen nicht.
  • Es gibt keine Fotos und Videos des Welpen aus den Wochen davor.
  • Die Papiere sind zweifelhaft. Zum Beispiel bekommen Sie zum Welpen den Heimtierausweis eines anderen Landes, oft aus Polen oder Rumänien.
  • Die Mutter wird nicht gezeigt, sie ist nicht da, oder sie wirkt zu alt oder zu jung für einen Wurf.
  • Der Verkäufer bietet nur Lieferung an und lässt Sie nicht kommen und die Welpen ansehen.

Zur Lieferung noch ein Wort. Vom Kauf eines Welpen mit Lieferung raten wir ab: Sie müssen wissen, unter welchen Bedingungen er geboren wurde und dass er wirklich aus Deutschland kommt. Mit einem geprüften Züchter oder unter besonderen Umständen lässt sich aber immer eine Ausnahme vereinbaren. Wenn die tierärztlichen Papiere in Ordnung sind, verbietet das Gesetz nicht, Welpen unter angemessenen Bedingungen zu transportieren.

Wie Sie mit dem Züchter sprechen

Sprechen Sie locker und stellen Sie einfache, ruhig auch alltägliche Fragen. Achten Sie nicht nur darauf, was der Züchter antwortet, sondern auch darauf, wie er reagiert.

Sie können zum Beispiel einen Fall aus den Nachrichten erwähnen, in dem die „Mutter“ untergeschoben war. Oder im Scherz sagen, dass bei kynologischen Veranstaltungen manchmal ein DNA-Test verlangt wird, um die Abstammung zu bestätigen. Das sind nur Beispiele, Sie können auch nach anderem fragen. Hauptsache, es kommt nicht zum Streit.